Erfahrbare Ausgrenzung: Als VeganerIn aufs Land ziehen

Folgenden Text habe ich auf Facebook verfasst (dort bin ich üblicherweise etwas impulsiver) und tief gehendes Feedback erhalten. Daher veröffentliche ich ihn auch auf meinem Blog.

Als wir 2012 von der Stadt aufs Land gezogen sind hat ein hochgebildeter Mann – der in eben dieser Region aufgewachsen ist – zu mir gesagt: „Du traust dich was Christina, ziehst zu den Bauern – Nazis aufs Land.“ Damals war ich entsetzt solche Worte aus einem sonst so bedachten Mund zu hören. Mittlerweile verstehe ich, wie es gemeint war und würde es großteils unterschreiben.

Wir sind 25 km !! umgezogen und sind trotzdem fremd. Warum? Wir machen nicht mit. Wobei?

Wahlverhalten.

Dem nicht genug, wir trauen uns das offen zu zeigen und zu fragen, welcher nicht anwesende Flüchtling hier motiviert hat soviel Hass zu empfinden, in betrunkener und nüchterner Gemeinschaft.

Lebensstil.

Der Garten wird nicht wöchentlich gemäht, er zieht an, was vergiftet gehört. Was soll der Scheiss mit den Insekten? Sind wir doch froh wenn die alle verschwunden sind! Kein Fleisch wird konsumiert. Keine Milch, keine Eier, diese Familie bedroht unsere gesamte Existenz! Hier wird nicht sauber die Einfahrt gekehrt, hier werden Dinge angesprochen, welche Jahrhunderte gut liefen.

Studierte!

So dreist kann man ja auch nur sein, wenn man studiert ist. Sie geht arbeiten statt sich um ihren Sohn und das Haus zu kümmern, das sieht man auch, er ist Jurist, auch wenn er ganz anders aussieht. Wir wissen das, obwohl sie es nie gesagt haben. Wer grün, öko und so drauf ist, kann nur studiert sein. Sie grüßt immer freundlich, hat der Freundin von der Freundin auch schon mal geholfen, die hat eigentlich gesagt, dass sie ganz nett ist, aber eigentlich, eigentlich denkt sie, sie ist was Besseres.

Bruch von Traditionen.

Vor allem der Tradition, Ungerechtigkeiten und Gesetzeswidrigkeiten so lange zu verschweigen, bis sich diese von selbst erledigen. Was sind wir froh, dass ein guter Schnaps mit dem richtigen Beamten reicht um Dinge weiterhin gut sein zu lassen! Das wird auch so bleiben!

anders = fremd = bedrohend

Ich (Christina) bin weiblich, sehe jung aus (schon mal zwei Gründe still zu sein) und habe diesen Schnaps abgeschlagen. Ich bekam nie eine Chance mich vorzustellen, wirklich mich ohne dass sie hören, was sie denken. Wäre ich Marketenderin geworden, würde meinen dazu geeigneten Busen bei jedem Feiertag einschnüren und ihnen zeigen, mich von den Wurstfingern – die gerade vom Melken kommen – angrabschen lassen – a Schnapsl und des passt scho – dann vielleicht. Aber so. „Die wollen wir nicht und das zeigen wir ihnen – nicht offen – aber hinten rum.“ Bester Spruch: „Die würde sogar bei einer Kuh im Stall schlafen, wenn die Kuh beim Abkratzen ist.“ Ja, würde ich.

Warum ich das schreibe, heute?

Weil ich vor einer Woche einen Text auf meinen Podcast Channel gesprochen habe, wo ich genau diese Problematik aus meiner Sicht erzähle.

und jetzt dieser Artikel: Österreich – Die Rechten auf dem Lande erscheint, der das selbe Thema behandelt. Scheint nicht nur mir so zu gehen.

Wahlergebnisse hier: 42% schwarz, 33% blau. Es gibt wie fast überall regionale FPÖ FB – Seiten mit hetzerischen Botschaften und einem „WIR sind das einzig Wahre“ vermittelnden Gefühl, dass ich mich wirklich auf die Finger setzen muss. Wie in dem sehr guten Artikel steht: Sogar der defekteste Weiße ist demnach mehr wert als der Gebildete anderer Herkunft. Und andere Herkunft beginnt bei 25 km!

Mir vergeht so langsam der Optimismus und die Freundlichkeit.

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