Geothermalgebiet Gunnuhver

Roadtrip Iceland – Fumarolen bei Gunnuhver, der Kratersee Kerid – Ankommen in Island

Einmal rund im die Insel und als grandioses Finale: die Westfjorde. Ich habe Island als die Insel meiner Seelenlandschaften erfahren. An einigen Stellen weich und lieblich, hundert Meter weiter rauh, kalt und heiss, explosiv, unnahbar.

In meinen folgenden Beiträgen nehme ich euch mit über die Insel, die mir Demut gelehrt hat.

Heute: Ankommen auf Island, Geothermalgebiet Gunnuhver, erste Eindrücke, Kratersee Kerid, ein besonderer Vogel und über verschiedene Unterkünfte in Island.

Liebe LeserInnen, ich war jetzt etwas länger offline. Der Grund dafür ist ein sehr schöner. Meine Sehnsucht nach Island hat sich erfüllt. Ich bin im Moos gelegen. Hab Bekanntschaft mit Schafen und Brachvögeln gemacht. Es wurde geweint und gestaunt, bin viel zu schnell weiter und war doch so erfüllt von den Momenten.

Weißt du wo es dir gefallen würde? In Island. Da ist alles so wie du es magst und das unmittelbar.“ Das waren die Anfänge. Das innere Spüren dass dort meine Seelenlandschaften schlummern die Entscheidung. „Du besuchst Island? Ja dir gefällt es dort, wirst sehen. Das ist nicht nur ein anderes Land, das ist wie ein anderer Planet“ die letzten Glückwünsche vor der Reise. An diese Worte musste ich oft denken.

Die Reise startete als alles noch schlief. Da man nicht einschätzen kann ob die Temperaturen eiskalt oder doch gemäßigt werden würden, dazu noch ein ganzer Koffer nur mit Selbstversorger – Lebensmitteln beladen war, hatten wir Übergepäck. Ich schwitzte am Abreisetag um sechs Uhr früh am Flughafen so sehr wie die ganze Reise nicht mehr. Ca. achtmal ließ uns die Dame am Check In zwischen drei großen Taschen umpacken. Kurz dachte ich an meine innere Ruhe nach Lappland wo ich bereits in der selben Situation war, aber es gelang mir nicht. Am Ende lagen dann Unterhosen zwischen Nudeln und Ladegeräten verteilt am Boden des Flughafens. Wir haben es aber geschafft, irgendwie.

Schon beim Anflug auf Island stellt es einem die Härchen auf den Armen auf. Die Kraterlandschaft, riesige Seen und dazwischen raucht es. Bevor ich auch nur einen Fuss auf diese Insel gesetzt habe wusste ich, sie erfüllt und mehr, was ich erwartet habe. Endlich bist du in Island. Ich habe mich sofort wohlgefühlt. Wir wurden zum Mietauto gebracht, wir erhielten den Schlüssel für unsere erste Übernachtungsmöglichkeit, es klappte alles und alle waren sehr freundlich zu uns.

Man muss schauen, die ganze Zeit schauen. Ob im Auto oder wenn man irgendwo in der Landschaft steht, man kann gar nicht genug schauen und in sich aufsaugen. Alles war grün, polsterig, moosig, weich, dahinter das tiefblaue Meer. Dann wieder eine schroffe, schwarze oder rote, beige oder braune Kraterlandschaft, wo es nach Schwefel riecht und raucht. Kurz nach dem Flughafen Keflavik kommt man in Richtung Südwesten an der Bridge – Between – Continents vorbei, bei der man zwischen den Kontinentalplatten von Europa und Amerika hin – und herspringen kann. Der Graben verläuft durch ganz Island, es gibt also mehrere Orte wo man das machen kann (vor allem auch im Nationalpark Thingvellir), hier wurde aber mit der Brücke ein sichtbares Zeichen errichtet. Diese Begebenheit ist auch ein Grund, warum Island so explosiv ist. Auf dem Bild ist die Brücke im Schatten zu erkennen, ich fand diesen Bildausschnitt besser weil ich ja generell mehr die Natur mag als Bauwerke.

American Bridge

Weiter gehts auf der Halbinsel Reykjanes Richtung Südwesten und sofort kommt die nächste Attraktion. Das Geothermalgebiet Gunnuhver. Als TirolerIn denkt man sich während des ganzen Island Aufenthaltes: Wahnsinn, bei uns muss frau stundenlang bergauf kraxeln um zu sehen, was hier direkt neben der Strasse ist. Einerseits gut, weil Island so voll von gut erreichbaren Naturschönheiten ist, andererseits schlecht, weil Island so voll von Menschen dadurch ist (wie bei uns zB der Pragser Wildsee, an den ja ganze Busladungen von Menschen gefahren werden).

Geothermalgebiet Gunnuhver

Bei Gunnuhver bekommt man einen ganz guten ersten Eindruck, was in Island abgeht. Sowohl landschaftlich, als auch vulkanisch, als auch sinnlich. Gunnuhver ist ein Hochtemperaturgebiet des Vulkansystems Reykjanes mit Schlammquellen und Fumarolen. Eine Fumarole ist eine vulkanische Dampfaustrittsstelle, aus der Wasserdampf oder vulkanische Gase aufsteigen. Der Vulkan ist in den letzten Jahrzehnten aktiv gewesen, die Strasse und ganze Teile Gunnuhvers mussten sogar gesperrt werden. Heisse Lehmfetzen wurden durch Eruptionen durch die Luft geschleudert. Erst seit 2010 ist das Gebiet wieder ganz begehbar. Kann aber jederzeit wieder passieren. Ich glaube das sofort. Und ich finde das toll.

Geothermalgebiet Gunnuhver

Es gibt einen riesigen rauchenden Fumarol, zu dem eine Brücke führt. So ganz frisch angekommen in Island hat man zugegebenermaßen ein bisschen Respekt vor den heissen Rauchschwaden, aber das dauert nur ein paar Minuten. Dann stürzt frau sich einfach rein und kann gar nicht genug bekommen von dem fauligen Eiergeruch (und das als Veganerin!)

Geothermalgebiet

Geothermalgebiet

Wichtig ist mir zu sagen, ich arbeite nicht mit Photoshop um zu übertreiben, regle meist nur das Licht im Lightroom. Meine Kamera neigt sogar dazu, Farben blass darzustellen, was ich dann reguliere. Islands Farben sind so intensiv. Vor allem das Wasser und das Moos. Dieses Blau und dieses Grün. Wir waren nicht in der blauen Lagune, haben aber in Gunnuhver auch einen solchen See gesehen. Dieses leuchtende Blau entsteht durch Kieselsäure, die die blauen Strahlen der Sonne reflektiert.

Geothermalgebiet Gunnuhver

Lässt man Gunnuhver dann ganz nass und kristallisiert von den stinkenden Gasen hinter sich und wandert ein Stück Richtung Meer kommt man zu einem Vogelfelsen. Schon bevor man diesen erreicht umschwirren einen die Küstenschwalben und geben zu verstehen, das hier ist ihr Gebiet. Der Vogelfelsen selbst bietet einen einzigartigen Blick auf das Meer, brütende Möwen und zurück auf das Geothermalgebiet. Man steht dort auf dem südwestlichsten Punkt Islands und wenn man genau schaut, kann man auch schon ein paar versteinerte Trolle entdecken.

Küstenseeschwalbe

Vogelfelsen Island

brütende Möwe Vogelfelsen Island

Schon ganz erfüllt sind wir dann auf der Küstenstrasse weitergefahren. Steinwüsten wechseln mit sanften Graslandschaften. Am Horizont immer das blaue Meer. In Grindavik haben wir kurz gehalten um Obst, Getränke und mobiles Internet zu kaufen. Bezahlen konnte man überall alles problemlos mit der Kreditkarte. Unser nächster Stopp war der Kratersee Kerid auf dem Weg in unsere erste Unterkunft in Laugarvatn. Er liegt malerisch tiefblau weit unten in einem roten Krater zwischen grünen Hügeln. Er kostet Eintritt, was auf Island recht ungewöhnlich ist und sich viele Menschen in Internetforen darüber auch erzürnen. Aber es sind 400 Kr. = 3 Euro, was NICHTS ist auf Island. Eine Pizza Margherita OHNE Käse kostet zum Vergleich 20 Euro.

Kratersee Kerid

Man kann oben rund herum und nach unten wandern. Wandern… das ist ein großer Begriff für diesen kleinen Spaziergang. Fasziniert hat mich dort das polstrige Moos am Abgrund im Abendlicht, der See, der wie ein Auge emporblickt und … Ole Vogelsson!

Brachvogel

Ja, er hat mir eigentlich am besten gefallen. Denn die Nähe zu Wildtieren (wenn sie sie zulassen, was in Tirol sehr selten ist da dort alle wissen: sobald sie ihre Schnauze rausstrecken wird geschossen) ist für mich immer noch das größte Geschenk. Und da musste ich natürlich ein Zeitlein verweilen bei Ole. Leider fiel er auch anderen auf, die dann ein Selfie mit ihm machen wollten. Ole war im Stress alles im Auge zu behalten. Er ist ein Brachvogel.

Wir hatten für die ersten Nächte ein Ferienhaus in Laugarvatn im Inselinneren gebucht, um den Süden zu erkunden. Landschaftlich einmalig, riesige ruhige Seen und auch weiter weg von den Menschenmassen, die Isländer selbst machen hier vermutlich Urlaub. Aber rein für die Erkundung des Südens (vor allem das Gebiet Skogafoss – Dyrhólaey) fast schon zu weit weg. Bei meiner wilden Bucherei ins Blaue hinein ist mir das wie immer im Vorhinein nicht aufgefallen (es ist auch schon passiert dass ich etwas am anderen Ende von Norwegen gebucht habe, weil ich davon ausging dies locker von Oslo aus zu erreichen und außerdem Google Maps immer lügt!!). Aber da wir Landmannalaugar als sehr wichtig betrachteten und dies von Laugarvatn aus gut zu erreichen war, wars perfekt.

Zu den Unterkünften in Island allgemein: Ich habe alles ausprobiert. Während die Männer nach den ersten Tagen nur mehr wild gecampt haben, habe ich mich durch diverse Betten Islands geträumt: Ferienhaus, Hotel, AirBnBs und Guesthouse. Der Grund: ich wollte duschen, ich musste für euch, meine geschätzten Leserinnen und Leser, meine Kameras (drei an der Zahl) aufladen und: Mein Rücken ist im Normalzustand schon kaputt, müsste ich eine Nacht auf dem Boden schlafen, könnte man mich am nächsten Tag klapprig zusammenfalten. Außerdem war es mir viel wert Island in voller Aufmerksamkeit zu erleben, was einen erholenden Nachtschlaf voraussetzt. Aufgrund der Mitternachtssonne war ich immer bis spät nachts wach, dies ist einfach so in Island. Es gibt viel zu sehen, so lange es hell ist nutzt frau es aus. Gemischt mit der Zeitverschiebung, meinem Eisenmangel und dem Vorhaben jede Minute dort aktiv zu erleben (und somit früh aufzustehen) kommt es dann trotz gutem Nachtschlaf vor, dass man im Auto einfach so weg-schläft. In einer Minute sagt man noch: „Woooaaaah schau dir das an!“ und versucht seine Augen mit allen Fingern offen zu halten, aber dann ist man plötzlich weg. So passiert, in Island, täglich. Ich ärgere mich dadurch auf den Fahrten was verpasst  zu haben!! Und bin froh, nicht der Fahrer gewesen zu sein.

Zurück zu den Unterkünften: Sie waren alle mehr als ok. Preislich gesehen war das Hotel unverschämt teuer, das Ferienhaus zu übertrieben dafür dass wir kaum dort waren (somit auch zu teuer), das Guesthouse nach diesen Ausgaben dann niedrig preislich gewählt und dafür auch hellhörig und Gemeinschaftsdusche, aber das Bett war sehr sauber. Ich bin keine Komplizierte, ekle mich aber schnell was Menschen angeht. Dieses Bett war aber wirklich sehr sauber und ich habe total gut geschlafen, obwohl der Typ im Nebenzimmer scheinbar eine ausführliche WhatsApp Diskussion am Laufen hatte. Außerdem hat mir die Dame an der Rezeption extra eine vegane Salami besorgt fürs Frühstück, auch wenn ich gar nicht so auf Ersatzprodukte stehe und die dann die nicht – veganen Chinesen aufgefuttert haben, aber die Geste war sehr sehr lieb.

Auch in den AirBnBs (Privatzimmer) waren die Betten immer anstandslos sauber. Ich habe mich sofort wohl gefühlt und geschlafen wie zuhause. Vielleicht auch wegen dem Schlafmangel. Aber ich möchte schon betonen dass die Isländer (und wahrscheinlich auch andere nördliche Länder) ein großes Verständnis von Sauberkeit und Gastfreundlichkeit haben. In den AirBnBs konnte ich auch für mich und die Männer kochen, sie durften dort duschen und es war ein toller Erfahrungswert sich mit richtigen Isländern zu unterhalten. Also wenn ich es mir aussuchen könnte würd ich sagen: AirBnBs waren die besten Unterkünfte. Auch weil man dort zu Orten gelangt, wo niemals ein Hotel stehen würde. Recht einsam. Oder belebt, wie man es eben mag.

Im nächsten Beitrag nehm ich euch auf den Golden Circle mit: Geysir Strokkur, Gullfoss, Urridafoss, Seljalandsfoss und Skogafoss. 

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