Olga Witt veganinchen

Be The Change – Olga Witt, für ein Leben ohne Müll

Eine, die was auf die Beine gestellt hat. Eine, die rausgeht und auf das Problem oder viel mehr: die Lösung aufmerksam macht. Eine, die was verändert. Das ist Olga.

Ich habe Olga im Zuge ihrer Buchpräsentation bei Tyrolia kennengelernt. Gleich zu Beginn des Vortrages hab ich die Lauscher aufgestellt: es hat sie so gestört dass es in ihrer Nähe keinen Unverpackt – Laden gab, deswegen hat sie einfach einen selbst eröffnet: Tante Olga. 

Warum sie das macht, sagte sie, hat sie selbst erst im Prozess gemerkt. JA! Das ist es. Da ist ein so starker Impuls, eine so starke Kraft in einer, dass sie raus muss und frau beginnt einfach. Und – unter glücklichen Umständen – könnte es die Welt verändern. Das geht mir genauso. Vorerst handle ich meistens aus der reinen Emotion. Später dann, wenn diese verflogen und die Zeit etwas vergangen ist, ist die Handlung die daraus entstanden ist meist immer noch super und hat bei einigen was „ausgelöst“.

Olgas Vortrag – so wie ihr Buch – und ihr Blog  – und viele Videos auf ihrem YouTube Kanal sind gut recherchierte und anwendbare Gebrauchsanweisungen, die man immer mal wieder hervorholen kann. Rezepte und Gedanken, auf die man durchaus hätte selber kommen können, wie zum Beispiel zum Bäcker einen Leinenbrotsack mitzunehmen um Papier zu sparen.

Olga verwies darauf, dass es nahezu keinen Strand mehr auf unserem Planeten gibt, der nicht vermüllt ist. Wir alle kennen das Foto des toten Seevogels, dessen Inneres mit Plastikmüll gefüllt ist. Zwischen 4,8 und 12,7 Millionen Tonnen pro Jahr gelangen jährlich (!) in unsere Ozeane. Im Mittelmeer kommt auf zwei Plankton – Lebewesen ein Teil Mikroplastik, das sind 300.000 Teilchen pro Quadratkilometer. Wissenschaftler warnen vor der Entstehung eines sechsten (!) Müllstrudels in den Meeren. In einem davon, dem „Great Pacific Ocean Garbage Patch“ zirkulieren eine Million Teilchen Kunststoff pro Quadratkilometer. Das Plastik ist mittlerweile überall, wir verzehren es auch im Meersalz.

Der Müll besteht aus Plastiksäcken, Wasserflaschen, Einwegrasierern, CD-Hüllen, Eimern, Kabeltrommeln, Zahnbürsten, Feuerzeugen und und und. Meereslebewesen verwechseln den Müll mit Nahrung und sterben an „gefülltem“ Magen oder verheddern sich darin und sterben einen qualvollen Tod. Wisst ihr wie wütend mich das macht? Tut zwar jetzt nichts zur Sache, aber wie blöd sind wir? Wir zerstören nicht nur Schönheit, wir zerstören uns selbst. Auch wir hängen an diesem Ökosystem. Hier habe ich über die Todesopfer unter den Meereslebewesen durch unsere Unachtsamkeit geschrieben, ebenso hier über Mikroplastik, welches wir durch Kosmetika und Kleidung ins Meer schwemmen. Es ist unerträglich!

Konzentrieren wir uns – so wie Olga – auf die Lösung.

Wasser

Wasser aus Flaschen produziert Müll. Ein Liter Wasser benötigt in der Herstellung 3,3 Liter Erdöl. Um dies zu vermeiden, könnte man – gerade in unseren Gefilden mit einer wahrlich phantastischen Wasserqualität – einfach das Wasser aus dem Hahn trinken. Mag man es sprudelig, gibt es ein Gerät dazu. Ist man unterwegs, kann man eine befüllbare Flasche mitnehmen. Olga hat dazu angeregt, dass es in Köln sogenannte REFILL Aufkleber gibt. Klebt ein solches auf einem Geschäft oder Lokal, kann man hier seine Wasserflasche nachfüllen.

Fest statt flüssig

Zahnputztabletten brauchen gar keine Verpackung mehr. Seife ist bei genauerer Betrachtung nicht nur Seife, sondern kann auch Duschgel, Shampoo und Rasierschaum sein. Wir sind es nur nicht GEWÖHNT. Ich bin komplett damit aufgewachsen dass es für jedes Härchen ein anderes Produkt gibt. Das muss nicht so sein! Auch Wasser alleine kann schon sehr viel. Dazu hab ich bei meinen Recherchen einen so interessanten Artikel (einer von vielen) über das Haarewaschen auf Olgas Blog entdeckt.

Unverpackt einkaufen

auch das – alte Gewohnheiten. Bei Nudeln, Reis, Kartoffeln müsste man ja nicht mal was ändern, außer das passende Gefäß mitzunehmen. Kichererbsen die nicht aus der Dose oder dem Glas stammen eben vorher einweichen. Am Abend vorher denken. Das ist alles. Wer regelmässig Linsen kocht, der kann das eh schon.

Nachwachsende Rohstoffe

Eine Zahnbürste aus Bambus. Gibts mittlerweile fast überall! In Innsbruck zum Beispiel im Kastl. (not sponsored, just for our planet!). Es gibt Kleidung aus Leinen, Hanf, ja sogar der Brennessel! Auch bei Schul – und Bürobedarf gibt es plastikfreie Alternativen.

Papier

248 kg jährlich pro Kopf und Nase in Deutschland, davon 20% immer noch aus Regenwaldrodung. Dazu kommt, dass Druckfarbe fast ausschließlich aus Erdöl hergestellt wird. Papier überschwemmt uns, teilweise ohne dass wir es wollen. Denken wir an Servietten, die wir gar nicht bestellt haben. Oder diese Werbung, die unsere Postkästen vollstopft. Die Lösung ist ein offizieller Aufkleber, der dem Postmann zu verstehen gibt, dass wir Junkmail aus echten Bäumen nicht mehr haben wollen. Recycling wählen statt neues Papier. Angefangen beim Klopapier bis hin zu Post Its.

Lebensmittel

Ich habe eine Freundin die arbeitet im Lebensmittelhandel. Sie ist sehr verzweifelt täglich mitanzusehen, was entsorgt wird. Sie denkt und fühlt wie ich, deshalb trifft sie es doppelt hart, vor allem wenn tote Lebewesen nicht verkauft werden und im Müll landen. Auch das – eine unerträgliche Situation, die dringend geändert werden muss. Eine Lösung ist zum Beispiel Food Sharing, welches in Deutschland super funktioniert. Eine revolutionäre Idee ist auch mundraub.org, eine Seite, auf der öffentliche Obstbäume zum Ernten angezeigt werden. Für jedefrau, jedermann. Ist es wirklich so eine gute Idee, aus GEIZ etwas verrotten zu lassen?

Nutzungsdauer

Geplante Obs­oleszenz. Falls dies jemand nicht kennt: Mein voriges Auto war ein gebrauchter, uralter VW Golf. War das Fenster nach 15 Jahren mal kaputt, hab ich den Hebel zum Kurbeln abmontiert, repariert und es klappte wieder. Bei den heutigen Autos muss man mit ziemlicher Sicherheit nach bereits 5 Jahren einen großen Teil der vorderen Konsole dafür austauschen. Warum wohl? Hmmm? Das ist geplante Obs­oleszenz. Sollbruchstellen. Anders wie bei Eidechsen (die bei Angriff ihren Schwanz abwerfen) macht das bei unserer Technik keinen Sinn aber dafür einen Haufen, Haufen Müll. Das haben sich ein paar ganz schlaue Gierhälse ausgedacht.

Nutzungsdauer maximieren. Ich gehe davon aus, dass die wenigsten etwas Funktionierendes entsorgen aus der Laune heraus, dass es dieses Ding jetzt in NEU gibt. Ausnahme Handys und andere Unterhaltungselektronik. Aber selbst wenn Dinge kaputt gehen – und das gehen sie bei den neuen Herstellungsmethoden – kann man diesen eine zweite Chance geben. Wers selbst nicht richten kann – eine wunderbare Einrichtung ist das Repair Cafe. Ich selbst durfte mich schon mehrmals davon überzeugen! Da ich wilde frei lebende Kaninchen habe, kam es vor, dass eines sich an meinen dringend benötigten Kopfhörern zu schaffen gemacht und in ca. 0,2 Sekunden durchgebissen hat. Ganz schön ärgerlich, für mich als Radiomacherin. Hoffnungsvoll erschien ich deshalb beim Repair Cafe und der Herr hat sich richtig, richtig Mühe gegeben. Eine Stunde lang hat er gelötet und mit Engelsfingern geklebt und voila – gerettet! Bis heute funktionieren diese Kopfhörer!

Das Fair Phone ist eine gute Alternative zu den seltene – Erden – verbrauchenden und ausbeuterischen Marktbeherrschern. (Ganz kleinlaut bin ich hier, denn ich bin auch eine Apfelnutzerin). Es lässt sich auseinander bauen und reparieren, genauso wie mein alter Golfi, den sich sehr sehr vermisse.

Auch beim Thema Kleidung ist Nutzungsdauer eine große Sache. Darüber hab ich ausführlich im Giftige Mode Beitrag geschrieben. Kleidung, die körperlich oder geschmacklich nicht mehr passt, kann für andere noch großen Spass bedeuten. Mir ganz neu und auch eine lösungsorientierte Idee ist Kleiderleihe. Hier kann man sich sogar monatlich neue Sachen zuschicken lassen und alte retournieren. Und gerade bei sehr, sehr verseuchten Kleidungsstücken wie Fleece (Mikroplastik) macht es Sinn, sie so lange es geht zu benutzen und den Schaden damit gering zu halten.

Ich würde hier auch die Menstruationstasse einreihen – deren Nutzungsdauer immerhin bei zehn Jahren liegt, statt bei ein paar Stunden.

Soooviele Links heute, ihr seht, Olga hat Lösungen im Gepäck. Auch ihr Buch – frau findet Rezepte um Reinigungsmittel, Milchalternativen, Flüssigseife, Deo u.v.m. selbst herzustellen. Ebenso wie eine durchdachte Liste, was man alles zum Verpackungsfrei Laden mitnehmen sollte um den Einkauf sicher nach Hause zu transportieren.

 

Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen sie sich am besten mal selbst

Olga sprach auch über begleitende erfreuliche Nebenerscheinungen. Nämlich das Reflektieren und erstaunliche Gewinne. Nimmt frau erstmal Abstand fällt auf, dass durch Werbung Bedürfnisse erschaffen werden, die man vorher eigentlich gar nicht hatte. „Hinterherkaufen“ nennt es Olga. In meinem Gespräch mit Daniel Baumgartner habe ich mich mit dem zweifelhaften Glück „Kaufrausch“ beschäftigt. Ich meine, Werbung verspreche einem erst dann schön zu sein, wenn man etwas bestimmtes trägt oder besitzt, sich erst dann wohl zu fühlen wenn man sich einen eingeflüsterten Wunsch erfüllt hat. Sie sagt einem gar nichts davon dass man bereits glücklich sein könnte, wenn frau ganz minimalistisch nur sich selbst hat. Joggen gehen mit der alten Hose zum Beispiel. Macht genauso viel Spass und genauso fit wie mit der, die im neuen Prospekt abgebildet ist. Gut, die Dame auf dem Bild ist etwas schlanker aber hey, durch den reinen Kauf der Hose nehme ich wahrscheinlich nicht ab und die Hose wirft mich auch nicht vom Sofa um mit mir Sport zu machen. Daniel meint, ihn erinnere das an eine Sucht. Und Sucht ist immer kurz gut und dann ganz lang schlecht. Und seien wir uns ehrlich. Wie länge hält dieses Hochgefühl – wenn man denn eines verspüren sollte (ich bin ja eher die Kaufhausflüchertin) – denn wirklich an? So lange wie man für das Teil gearbeitet hat?

Da kommen wir zum Nächsten. Geld. Das ganze Jahr sitzen wir in Räumen um Geld zu verdienen. Durch Werbung werden viele Menschen in ihrer spärlichen Freizeit in einen anderen überfüllten Raum geleitet, um das Geld wieder auszugeben. Für Dinge, die das pure Glück versprechen. Und dann schauen sie hoch und sehen andere, die gerade vom Berg kommen oder noch besser – vom Meer – und sagen: Ich verstehe nicht woher du das ganze Geld hast! Und dass du so braun bist!

Freizeit! Erlebnisse! Lebendiges!

Die Werbung hat es geschafft uns selbst Shopping als Freizeit zu verkaufen! Mehr Konsum, mehr Kosten, mehr Arbeit.

Weniger Konsum, mehr Freizeit, mehr frische Luft, mehr Unabhängigkeit, besser aussehen, gesünder sein, Familienzeit. Durch lange Nutzungsdauer, durch Wiederverwendung, durch Müllvermeidung und strukturiertes, geplantes, nachhaltiges Handeln sparen wir. Nicht nur Geld. Auch die Zeit, die für die Neuanschaffung draufgeht. Winwin sozusagen.

Olga hat eindrucksvoll gemeint nicht Geld sei das Wertvollste, es ist Zeit. Zeit ist die heutige Währung.

Reduce, reuse, recycel, refuse, rethink, relax!

gab Olga am Ende noch mit auf den Weg. Für sie ist der zero waste Lifestyle wie für mich der Veganismus gelebte Nächstenliebe. Unseren Nachkommen gegenüber, aus Respekt gegenüber den Tieren und unserer Mutter Natur.

 

Danke Olga und an die Tyrolia für die Einladung!

 

Unverpackt kaufen in Innsbruck:

greenroot

 

 

 

 

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