Eine Art zu fühlen

Leider – muss ich um meine Arbeit zu erreichen mit dem Auto fahren. Leider deshalb, weil es sich für mich (wenn man sich bewusst Auszeiten davon nimmt) als etwas sehr Gewaltsames anfühlt. Wie meine ich das?

Nimmt frau statt dem Auto mal nur sich selbst und schaut den Weg genau an: Da sind Schmetterlinge, eine Raupe die die Strasse überquert, ein Käferlein in Eile, eine Schnecke, die es wahrscheinlich nicht schaffen wird. Beginnt man ihnen zu helfen, nimmt es nie wirklich ein Ende. Kommt ein Auto – kawumm – alles tot oder noch schlimmer: halbtot. Das tut weh. Ja wirklich, es tut weh. Ich übertreibe und spinne nicht, ich empfinde tiefes Mitgefühl und es tut mir leid. Auch ich habe schon eine Armee an Insekten niedergefahren.

Ob sie nun klein oder groß sind, das Leiden ist vermutlich das gleiche. Auch richtig „große“ Angst – und Schmerz – Tatsachen begegnen mir täglich auf der Strasse. Ich verschulde sie als Fahrerin nicht direkt aber es führt mir vor Augen: Es passiert. Ich meine damit die Tiertransporte. Mein Arbeitsweg führt entlang einer Autobahn, die von Deutschland und Österreich nach Italien führt. Heute früh habe ich wieder einen beladenen Transporter gesehen, wo eine Schnauze rausgeschaut hat und ein Stück Fell.

Was ich dabei fühle, ist irrelevant. Niemals möchte ich betrauert werden weil ich mir so viele Gedanken mache oder so mitleiden muss. Was mich so sehr beschäftigt ist: Warum fühlen das nicht genug Menschen, so dass es endlich aufhört? Wie kann ich den Individuen helfen? Ist das Leben einiger weniger (die sich dafür das Geld einstecken) wirklich so viel mehr wert?

Viele sagen zu mir, sie sehen die Dinge einfach nicht. Sie sehen weder die Biene vor dem Auto, noch das Eichhörnchen, nicht mal das verwundete Reh am Strassenrand. Das glaube ich sogar. Sie sehen ja auch nicht dass ihr Steak mal ein Lebewesen war, das (wenn es Glück hatte) auch den Wind und die Sonne gespürt hat. Die meisten – und das ist sehr traurig – empfinden die für sie „niedrigeren“ Lebewesen als nicht wertvoll genug um zu bremsen oder ihnen zu helfen. Es gibt auch welche, die betrauern ihr Auto nach einer Wildtier – Kollision und denken nicht daran, dem Tier Hilfe zu leisten. „Falls ich einen Hund anfahre, lass ich das Viech liegen, vor dem hab ich Angst!“ Fährt ein Tiertransporter vorbei und ich breche in Tränen aus, ringen sie sich aus Anteilnahme an MEINER Trauer heraus: „Das ist halt so, du wirst es nicht ändern können.“ Kein Gedanke an die wunderschönen Wesen, die nach tagelanger Fahrt in der engen Hitze nacheinander anstehen müssen, um getötet zu werden. „Das sind Nutztiere, die sind dazu da.“

Ich bin keine leicht zerbrechliche Person, die Kaninchen streichelt weil sie süss sind und das Leid der Tiere betrauert, weil ich Tiere ja so mag und eine „Tierschützerin“ bin. Aufmerksamkeit die mir zuteil wird hasse ich und ich bin auch nicht nur depressiv an allem Negativen des Weltgeschehens interessiert. Wenn ich an einem Wasserfall stehe oder im Wald, die Vögel singen und ich feuchte Moosluft einatme, bin ich ehrfürchtig, dankbar und ich empfinde in diesem Moment die volle Schönheit unseres Planeten. Es ergreift mich. Gleichzeitig fühle ich auch die drohende, immer näher kommende Zerstörung, höre die Bagger, die Autos, die lachenden Manager, die, die sich dies alles zu Untertan gemacht haben um sich einen gewissen Lifestyle zu finanzieren. Ob dies nun der griechische Eselsbesitzer ist, der die vollgefressenen Urlauber direkt vom Kreuzfahrtschiff vom Esel den Berg rauftragen lässt weil sie keinen Schritt zu Fuss gehen können, als Gegenleistung den Esel angebunden in der Sonne stehen läßt. Der Chef eines riesigen Mastbetriebs oder noch „höher“ (oder auch tiefer), Firmen, die den armen Ländern Getreide wegnehmen um es an die Fleischindustrie der Reichen zu verfüttern, riesige Konzerne, die WASSER als ihres betrachten um es zu verkaufen, Geschäftsideen, die für ein kleines Cafe – Vergnügen soviel Plastik produzieren, dass man den Müllbergen niemals mehr Herr werden kann. Die Liste ist endlos! Von den Meeren hab ich noch gar nicht geschrieben.

Es verletzt mich wenn ich sehe wie ein Bagger über eine Wiese fährt, einen Wald niederreisst, um eine Tankstelle zu bauen. Warum? Ich empfinde den Menschen als Teil des Ganzen. Er ist ebenso hier auf dem Planeten Erde wie ein Baum, wie ein Regenwurm. Alle möchten leben und alle haben auch ein Recht darauf. Für mich ist es wahrlich geisteskrank aus reiner Lust zu morden. Kürzlich sah ich eine Doku in der eine alte Frau erzählte, dass es für sie schön sei im Herbst ein paar Murmeltiere aus der Ferne abzuschiessen. Das gäbe ihr ein gutes Gefühl. Das kann man nicht mal evolutionär rechtfertigen. Wie bereits mehrfach erwähnt, gibt es für mich nichts Schöneres als das Vertrauen zu einem Wildtier aufzubauen, es beobachten zu dürfen, zu spüren wie selbstverständlich und wundervoll alles ohne das menschliche Eingreifen funktioniert. Und dann gibt es Menschen, die aus dem Hinterhalt einfach töten! Das dann noch Sport nennen. Mir unerklärlich, wo sind die Grenzen, wo ist der Sinn? Macht, Geld? Ich kenne kaum ein Tier, das über seinen Hunger tötet. Ich kenne keine Pflanze, die im Vorbeigehen einen Menschen niedermäht, weil er nicht in die Landschaft passt oder sie sich gerade danach fühlte. Es sind hingegen Horrorzahlen an Morden die die Spezies Mensch begeht, minütlich. Ja, es sind zu hohe Zahlen um die Tragweite zu erfassen, ist das der Grund für die verbreitete Verdrängung? „Ich bin zufrieden – das ist das Wesen der Welt“ sagte eine Protagonistin in einem Liebesfilm. JA? Seid ihr zufrieden solange es euren engen Umfeld gut geht? Seid ihr zufrieden weil ihr denkt es ginge immer so weiter, auch kommende Generationen können so weitermachen weil wir es gut machen? Seid ihr zufrieden wenn ihr das Angebot im Supermarkt noch erwischt? Seid ihr zufrieden, wirklich? Auch wenns immer lauter wird und die Tiertransporter vorbei fahren, ihr seht sie ja nicht? Zufrieden nur für euch, für euer Leben, oder sagen wir, zufrieden für die nächsten paar Jahre?

Was sind die Alternativen? „Möchtest du alles zu wuchern lassen, alle Farmtiere freilassen, soll die ganze Welt vegan werden?“ JA! Das möchte ich, aus tiefstem Herzen. Gar keine Farmtiere sollen mehr gezüchtet werden. Lasst eure Gärten und die Städte zu wuchern, damit wir zumindest die Bienen nicht verlieren. Umarmt einen Baum. Er beruhigt. Er steht da und schaut sich das alles seelenruhig an, tut keinem was, bietet Lebensraum und produziert unseren Sauerstoff. Was geben wir ihm zurück?

Das möchte ich dann sagen. Aber ich sag meistens nichts weil ich weiß, das ist ein Traum und momentan nicht schnell umsetzbar, das erfordert ein weltweites Umdenken, eine andere Bewertung von Geld, Zeit und Ressourcen, gute Planung und das Problem EMPATHIE ist nicht nur auf Tiere und Natur beschränkt.

Ich kann nur wenn ich neben dir hergehe, wenn ich bei dir im Auto sitze, wenn du meine Beiträge liest, wenn ich mit dir telefoniere oder persönlich spreche davon berichten was in mir vorgeht um dir eine andere, schöne Sichtweise anzubieten, eine Art zu fühlen. Du kannst zu mir sagen du Spinnerin, die Scheißmücken, von den Nacktschnecken gibt es eh zu viele, oder du kannst einfach zuhören. Vielleicht hattest du ja schon mal den ein oder anderen Gedanken oder Gefühl diesbezüglich. Wir zerstören uns selbst, wir sind nur ein Teil. Wir schneiden uns ins eigene Fleisch, wie man so schön sagt. Manche Auswirkungen sind schon sichtbar, andere erst später.

Ich muss ehrlich sagen, ich bin nicht intelligent genug um diese Probleme zu lösen. Ich verfüge auch nicht über ein so verzweigtes Denken oder die Projektmanagementkompetenz, dass ich eine finale weltweite Lösung anbieten könnte. Es müssten viele kluge Köpfe zusammen helfen, planen und die Mehrheit der Menschen motiviert genug sein, dies dann umsetzen auch wenn es mit mehr Anstrengungen verbunden ist. Ich würde alles tun um zu helfen und versuche jetzt schon, die Zerstörung durch mein Dasein möglichst gering zu halten. Aber ich bin noch lange nicht das, was ich gerne sein würde. Ich reise noch immer mit dem Flugzeug, ich fahre zwar mit Erdgas, aber ich fahre mit dem Auto um zu gewissen Zielen und der Arbeit zu kommen, es gelingt mir nur sehr langsam Plastik zu vermeiden, jeder Lebensbereich produziert noch immer Plastik, Plastik, Plastik. Ich verwende für meine Kaninchen und in sehr schlimmen Krankheitsfällen für meine Familie und mich Medikamente, die an Tieren getestet wurden (Antibiotika). Ich zertrete Schnecken, die ich im Gras nicht gesehen habe. Ich kaufe vegane Lebensmittel bei Firmen, die auch Fleisch produzieren…

Bin also weder ein Moralapostel, noch eine die alles besser macht, aber eine, die es nicht mehr aushält.

Rodung

Kaninchenzucht

Gänsemast

Schlachtfabrik KükenZirkus

Pelz

Jagd

Eisbär Zoo

Tierversuche

 Bilder: Greenpeace, PETA, Animals Angels, Veganoutreach, AnimalsEquality

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