Good Morning Barcelona veganinchen

Barcelonaaa!

Ein kurzer Sprung aus den grauen kalten Bergen ins warme, bunte, pulsierende Barcelona. Mit Elementen Gaudis, Natur zum Durchatmen – von welcher sich Gaudi ja auch inspirieren ließ, jeder Menge Flair, unerwartet vielen Tieren und dem Meer, dem salzigen, frischen, immer wunderschönen Meer eine Stadt mit echter Lebensqualität.

Nein, wie immer kein heile Welt – Beitrag. Hochgelobt wird auch nur das, was so empfunden wurde. Alles begann katastrophal. Aus unergründlichen Gründen haben wir trotz rechtzeitiger Abfahrt aus Tirol (nach München) den Flug verpasst. Ja wirklich. Immer noch Katastrophe. Wie bei einem Unfall kamen hundert Zufälle zusammen bis am Ende das Unfassbare passierte: Check in schließt um 11:50, unsere Ankunft dort: 11:53. Mit beinharter Miene sagte der Typ: No. Mir fiel augenblicklich alles aus dem Gesicht. Ich sagte auch „no“ aber mit Tränen. Ich flehte ihn an und angesichts meiner Verzweiflung entkam ihm ein „I am really sorry“,  zeitgleich erwähnte er aber auch die Preise der nächsten Flüge. Die, wohlgemerkt, erst neun Stunden später gingen. Bei einem kurz bemessenen Städtetrip schmerzt da jede Stunde. Es war ein Gefühl wie gegen die Wand gefahren. Du stehst davor und sagst: Nein, es ist nicht so, nein. Ist es aber, das Ding ist gegen die Wand gefahren und du kannst rein gar nichts tun, um es zu ändern. Ich konnte weder bip noch bap sagen, nicht mal mehr streiten, irrte ziellos herum und mir war es sowas von SCHEISSEGAL wie die Leute schauten. Ja, dann weint da halt mal eine, na und? Mir schwimmt grad mein Abenteuer davon. Ich schäme mich sicher nicht meiner Gefühle und lass mir auch von niemanden sagen, ich soll mich zusammenreißen. Außerdem ist das ein Flughafen, ein Ort der großen Gefühle, da heult doch ständig jemand, also scheiß drauf.

Es war dann so wie in einem schlechten Film. Wir waren gezwungen die Stunden am Flughafen zu verbringen und mehrere Beziehungsdramen mit zu erleben, inklusive unserem eigenen. Stoff für ein ganzes Buch! Die Flugpreise stiegen von Stunde zu Stunde, passend erschien der Ticket – Typ erst wieder kurz vor 18 Uhr. Im Internet waren sie schon in Himmelshöhe. Toll. Kurzum, in stockdunkler Nacht (gefühlt, es war doch „erst“ kurz vor 21 Uhr) saßen wir dann in einem voll gefüllten Flugzeug, das Handgepäck (was unser gesamtes Gepäck war) wurde uns weggenommen weil dafür kein Platz mehr war und flogen mit inneren und äußeren Turbulenzen nach Barcelona. Kamen dort um elf an, es fuhren keine Öffis mehr, irgendwann in der Nacht waren wir im Hotel. Also nicht nur den ersten Tag verschissen, auch das Ausgeschlafensein für den zweiten Tag.

Jetzt zum schönen Teil.

Begonnen haben wir im Park Güell. Gaudi war der Meister. Ein schöner Natur – Park mit Aussicht auf die Stadt.

Aussicht vom Park Guell auf Barcelona veganinchen

Die Natur hat mich wieder mehr beeindruckt als die Bauwerke, auch wenn das ganze schon sehr märchenhaft war (im vorderen Teil des Bildes ein Ausschnitt zum Erahnen). Grüne Papageien singen laut und streiten sich hektisch um die besten Plätze in den Palmen. Ich hab mehrere Tauben getroffen. Mir sind ihre verstümmelten Füßchen aufgefallen und ich habe recherchiert woher dies kommen könnte. Da Tauben viel zu Fuß unterwegs sind verfangen sich ihre Beinchen oft in Schnüren, Netzen und werden „abgebunden“. Wenn sie Glück haben überleben sie dies mit einem kaputten oder ganz abgefallenen Beinchen. Beim Nestbau verwenden sie auch gefährliches Material wie zB Angelschnüre, die ihnen zum Verhängnis werden könnten. Auch durch Taubenhasser kommen solche Behinderungen zustande. Stacheln, Säuren… grauenhafte Quälereien. Ich habe die armen Seelchen beobachtet, es hat ihnen sicher sehr weh getan, aber sie mussten lernen damit zu recht zu kommen. Tauben sind wunderschöne Tiere und haben zu Unrecht diesen schrecklichen Ruf. Viel hässlicher und krankheitserregender sind Menschen, die anderen Lebewesen so etwas antun.

Taube Park Güell Barcelona veganinchen

Diese Taube hatte nur noch ein Beinchen und bei dem fehlte auch ein Zeh. Bei der nächsten auch.

Taube Park Güell Barcelona veganinchen

Und doch gehen sie immer noch unvoreingenommen nahe zu den Menschen. Eine beleibte Dame saß auf einer Bank und aß ein riesiges Brot. Eine kleine Taubendame spazierte nervös bei ihren Beinen hin und her und reckte das Köpfchen immer in ihre Richtung, ob nicht ein paar Krümel herabfallen würden. Das war traurig. Der Dame ist dies nicht mal aufgefallen. Viele sagen es sind ja nur Tauben, lästiges Ungeziefer. Dazu möchte ich antworten: Ein wenig Respekt und Aufmerksamkeit hat noch niemanden weh getan. Kein Respekt aber schon. Wie viel weiter wäre der Horizont mancher Menschen, wie viel inspirierter ihr Leben, wenn sie aufmerksamer wären und zuerst beobachten statt zu urteilen oder Vorurteile einfach zu übernehmen. Vielen fällt das Vogelgezwitscher gar nicht mehr auf, sie riechen den Wind und den Regen nicht, die Insekten stören und die meisten Tiere sind sowieso unangenehm. Das ist schade. Gerade in Städten marschieren Menschen einfach so drüber. Tauben, Spatzen, Schmetterlinge. Es läge soviel Freude darin. Und so viel Leid, dass auch niemanden interessiert. Ich empfinde dies als großes Ungleichgewicht und als Ungerechtigkeit.

Nach dem Park ging es mit dem öffentlichen Bus (welchen ich gegenüber der Metro sehr empfehlen würde, man sieht einfach viel mehr von der Stadt) zur unvollendeten Sagrada Familia. Wow. Was für ein Bauwerk.

Sagrada Familia Barcelona veganinchen

2026 soll sie zu Gaudis 100. Todestag fertiggestellt werden, also in 9 Jahren. Wir haben uns schon mal einen guten Rundum – Eindruck verschafft in dem wir an allen ihren vier unterschiedlichen Fassaden nach dem Ticketschalter gesucht haben. Laut meiner Vorrecherche im Internet wäre ja im Februar kaum was los und man könne ohne Wartezeit ein Ticket kaufen und eintreten. Nicht ganz. Nachmittags bekommt man nämlich nur mehr Online – Tickets. Was voraussetzt, dass man ein Smartphone mit Internet bei sich hat und eine Kreditkarte. Zwei von den Dingen hatten wir und eine schwächelnde Verbindung fanden wir in einem naheliegenden Restaurant. Ärgerlich war es trotzdem, aufgrund der miesen Verbindung schmiss es mich dreimal raus und ich kaufte sechs Tickets statt zwei, schaffte es aber nur zwei zu zahlen. Wird schon passen so. Hoffentlich. Dann gings schnell, man bekommt einen QR Code und mit dem darf man eintreten.

Mein Foto zeigt die Geburtsfassade, die zu Gaudis Lebzeiten größtenteils fertig gestellt wurde. Sie stellt das Leben Christi mit vielen Details, Menschen, Tieren und ganzen Szenen dar. An den Toren befinden sich wieder Naturelemente, Efeu mit Hirschkäfern, Tausendfüßlern, Wanzen, welche von einem japanischen Bildhauer entworfen wurden. Das gefiel mir besonders.

Ein Blick nach oben:

Sagrada Familia Barcelona veganinchen

Ja wer sitzt denn da?

Innen ist es phantastisch. Diese Farben. Die Fenster sind auf allen Seiten aus unterschiedlichen Farbgruppen, so fühlt man sich immer anders. Auf der einen Seite ist es blau, grün und violett.

Sagrada Familia Barcelona veganinchen

Auf der anderen Seite rot.

Sagrada Familia Barcelona veganinchen

Ein wahrliches Meisterwerk. Im vorderen Teil wirkte es für mich wie eine Kathedrale, im hinteren schon fast wie ein Konzertsaal. Wie beeindruckend müssen Konzerte in diesem Ambiente sein, schon allein Gesang oder ein Orgelstück. Die Sagrada Familia ist auf jeden Fall einen Besuch wert, wenn man vorher das Ticket online kauft.

Danach warfen wir uns wieder in den öffentlichen Verkehr. Wir mussten länger auf einen Bus warten. Das machte aber nichts, ich beobachtete das Balzen eines Täuberichs bei seiner Angebeteten. Es war original wie bei uns Menschen. Sie war ziemlich genervt von ihm und ist ihm immer entwischt. Sein Aufplustern: „schau mal was ich habe“ … wie wenn bei uns die Männer mit ihren dicken Autos vorfahren. Im Endeffekt geht es bei allen immer nur um Fortpflanzung.

Tauben Barcelona veganinchen

Inzwischen war es Abend und die Sonne ging unter.

Wir spazierten durch den Park Ciutadella und sahen den Arc de Triomf.

Arc de Triomf Barcelona veganinchen

Das Castell del tres Dragons.

Castell del tres Dragons Park Ciutadella Barcelona veganinchen

Den Brunnen Font de la Cascada.

Font de la Cascada Park Ciutadella Barcelona veganinchen

und Gänse

Gänse Park Ciutadella Barcelona veganinchen

in dem schönen See

Park Ciutadella Barcelona veganinchen

und noch ein in Abendrot getunktes Bauwerk.

Park Ciutadella Barcelona veganinchen

Zu Fuß schlenderten wir durch das abendliche Barcelona, vorbei am Bahnhof Estació de França.

Estació de França Barcelona veganinchen

Barcelona veganinchen

zum Hafen

Hafen Barcelona veganinchen

und zum Strand von La Barceloneta

Strand Barceloneta nachts Barcelona veganinchen

Und da haben wir auch ein veganes Restaurant gefunden, von denen es – wie in jeder Großstadt inzwischen – in Barcelona zahlreiche gibt. Sehr empfehlenswert.

Tag 2. Es brauchte wieder ein bisschen Natur, also rauf auf den Berg! Und zwar in einer Seilbahn, die vom Hafen über das Meerbecken bis zum Hausberg Montjuïc fährt.

Seilbahn Montjuïc Barcelona veganinchen

Montjuïc Barcelona veganinchen

Was für ein Ausblick! Am Montjuïc ausgestiegen kann man durch viele schöne Gärten, bei Aussichtsplattformen und großen Brunnen vorbei zum Castle nach ganz oben wandern. Der Blick in alle Richtungen: Stadt, Meer ist herrlich. Einfach nur dasitzen und schauen reicht aus, das ist purer Urlaub in der warmen Sonne Spaniens. Wir wollten zwar noch hundert Dinge anschauen, waren aber am Montjuïc sehr entspannt und verlangsamt. Man konnte Stare singen hören. Das ist auch nicht alltäglich.

weiße Taube Barcelona veganinchen

Beim Castle kann man in den öffentlichen Bus einsteigen und sich wieder in die Stadt fahren lassen. Vorbei an vielen Sehenswürdigkeiten (u.a. von der dort stattgefundenen Olympiade) landet man an der Plaça Espanya.

Plaça Espanya Barcelona veganinchen

Ein Blick zurück zum Palau Nacional, in dem das Museu Nacional d’Art de Catalunya beherbergt ist.

Palau Nacional Barcelona veganinchen

Dann gings weiter zur Casa Batlló von Gaudi, die Fassade soll den Kampf mit einem Drachen wiedergeben.

Schuppen, Totenköpfe, Maul lassen sich finden.

Casa Batlló Gaudi Barcelona veganinchen

Wir haben uns dann tatsächlich auf die Einkaufsstrasse La Rambla begeben …

La Rambla Barcelona veganinchen

… sind aber gleich mal nach rechts abgebogen in das Viertel El Raval. Dort solle es – laut Reiseführer – nämlich hippe Second Hand Läden gäben. In einer bestimmten Strasse. Die wir dann auch gefunden haben und es hatte genau ein Laden geöffnet. Im Nachhinein – unser Glück – denn ich hab mich einfach ewig darin aufgehalten, ich, die sonst nie dem Shoppingwahn verfällt. Aber Second Hand ist ziemlich toll und dann noch ein Laden, in dem es ausschließlich Mode aus den 50ern, 60ern, 70ern gab. Wäre noch so ein Laden geöffnet gewesen, wäre ein Tag zu wenig. Von Hüten über Kleider über Trenchcoats, Schuhen, Taschen, Schmuck, Sonnenbrillen, es gab alles. Und alles nur ein einziges Mal, alles zur Wiederverwertung. Und was mir dabei so gefällt: Diesen Style hat sonst niemand. Bei uns laufen großteils Leute mit Klamotten rum, die es in den großen Modehäusern zu kaufen gibt und die Nachbarin hat das selbe. Outdoor und Marken sind bei uns das Thema. In Tirol gibt es keinen individuellen Second Hand Laden, jedenfalls nicht so einen der kein ausgeräumter Omaschrank ist. Und hier gibt es nicht nur so einen Megaladen, hier kann man das auch tragen. Großstädte erlauben individuellen Stil, ja fördern ihn sogar. Ich hab mir zwei Kleider gekauft und laufe schon fleißig im Tal damit herum, das kennen sie hier nicht, das merkt man. Da traut sich eine aber was!

Nach El Raval gings nach gegenüber in das gotische Viertel Barri Gòtic. Ich war dann schon sehr müde und blöderweise wurde ich auch noch von jedem Ramsch – Geschäft links und rechts wie magisch angezogen, aber ich konnte es trotzdem genießen. Hier konnte man das „alte Barcelona“ spüren.

Barri Gòtic Barcelona veganinchen

Barri Gòtic Barcelona veganinchen

Barri Gòtic Barcelona veganinchen

An Tag 3 zuerst mal ans Meer. Hier wortlos, einfach das Meer. Einatmen, ausatmen.

Meer Barcelona veganinchen

Meer Barcelona veganinchen

Ich liebe es! Wie wunderschön es ist!

An diesem Tag wollten wir eigentlich einen Naturpark besuchen – das Delta del Llobegrat. Da die Webseite nicht besonders informativ ist sind wir davon ausgegangen, dass wir dort wandern und praktischerweise vom Flughafen (der sich daneben befindet) rüber spazieren können. Wir waren dafür auch früh genug dran (diesmal), aber leider bekamen wir am Flughafen die Auskunft dass alles rund um den Flughafen restricted area ist und wir keinesfalls raus dürfen. Wir haben es dann zwar trotzdem versucht – war aber wirklich alles abgesperrt bzw. von Schnellstrassen umrundet, keine Chance. Um zu dem Naturpark zu kommen hätten wir wieder zurückfahren müssen und dann mit einem Auto zum Naturparkzentrum … jedenfalls war dafür keine Zeit mehr. Sehr schade! So mussten wir wieder über unser Leben sinnierend am Flughafen Stunden verbringen, diesmal hatten wir aber wenigstens Sonne.

Das wars, kurz aber intensiv. Von Barcelona nehme ich mit: Wärme, Farben, schöne Brunnen, besondere Architektur, Mut zum Stylen, die erneute Erkenntnis wie viel eine kurze Auszeit aus dem Alltag bringt, Weitsicht, dass überall jemand putzt in Barcelona, am Flughafen spiegelt man sich im Boden so sauber ist es, das Meer, oh ja, das Meer, hab mich über die vielen Hunde am Strand gefreut, die Tauben und die anderen Vögel, ja die Begegnungen mit Tieren sind das Allerschönste für mich. Und: ein paar Dinge hatten geschlossen die ich gerne gesehen hätte. Muss wohl wiederkommen.

Christina

Montjuïc Barcelona veganinchen

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